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By Stanislas Dehaene

Wir sind umgeben von Zahlen. Ob auf Kreditkarten gestanzt oder auf Münzen geprägt, ob auf Schecks gedruckt oder in den Spalten computerisierter Tabellen aufgelistet, überall beherrschen Zahlen unser Leben. Sie sind auch der Kern unserer Technologie. Ohne Zahlen könnten wir weder Raketen starten, die das Sonnensystem erkunden, noch Brücken bauen, Güter austauschen oder Rech­ nungen bezahlen. In gewissem Sinn sind Zahlen additionally kulturelle Erfindungen, die sich ihrer Bedeutung nach nur mit der Landwirtschaft oder mit dem Rad vergleichen lassen. Aber sie könnten sogar noch tiefere Wurzeln haben. Tausende von Jahren vor Christus benutzten babylonische Wissenschaftler Zahlzeichen, um erstaun­ lich genaueastronomische Tabellen zu berechnen. Zehntausende von Jahren zuvor hatten Menschen der Steinzeit die ersten geschriebenen Zahlenreihen geschaffen, indem sie Knochen einkerbten oder Punkte auf Höhlenwände malten. Und, wie ich später überzeugend darzustellen hoffe, schon vor weiteren Millionen von Jahren, lange bevor es Menschen gab, nahmen Tiere aller Arten Zahlen zur Kenntnis und stellten mit ihnen einfache Kopfrechnungen an. Sind Zahlen additionally speedy so alt wie das Leben selbst? Sind sie in der Struktur unseres Gehirns verankert? Besitzen wir einen Zahlensinn, eine spezielle instinct, die uns hilft, Zahlen und Mathematik mit Sinn zu erfüllen? Ich wurde vor fünfzehn Jahren, während meiner Ausbildung zum Mathema­ tiker, fasziniert von den abstrakten Objekten, mit denen ich umzugehen lernte, vor allem von den einfachsten von ihnen- den Zahlen.

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Anschließend wurde ihnen beigebracht, zwei Lichtblitze mit dem linken Hebel und vier Lichtblitze mit dem rechten Hebel zu verknüpfen. Dann stellte sich die Frage, wie diese beiden Lernerfahrungen im Rattengehirn enkodiert waren. Wurden sie als zwei zusammenhanglose Wissenseinheiten gespeichert? Oder hatten die Ratten eine abstrakte Regel wie 2 ist links und 4 ist rechts gelernt? Um das herauszufinden, präsentierten die Forscher bei einigen Versuchen sowohl Töne als auch Lichtblitze und beobachteten erstaunt, daß die Ratten dann, wenn sie einen einzelnen mit einem Blitz synchronisierten Ton härten, insgesamt also zwei Ereignisse, systematisch den linken Hebel drückten.

Wir alle kennen mechanische Geräte, deren Leistung sich gar nicht sosehr von der der Ratten unterscheidet. Alle Autos beispielsweise sind mit einem Zählsystem ausgerüstet, das die Zahl der Kilometer festhält, die sich angesammelt haben, seit das Fahrzeug in Betrieb genommen wurde. In seiner einfachsten Fassung ist dieser Zähler nur ein Zahnrad, das sich nach jedem Kilometer um einen Zahn weiterdreht Zumindest im Prinzip zeigt dieses Beispiel, wie ein einfaches mechanisches Gerät eine 40 Teil I: Unser numerisches Erbe sich ansammelnde Größe aufzeichnen kann.

Oben nach Dehaene und Changeux, 1993; unten Thompson u. , 1970. ) ler Richard Thompson von der Universität von Kalifornien in Irvine in der Hirnrinde von Katzen die Aktivität einzelner Neuronen auf, während den Tieren Tonfolgen oder Lichtblitze dargeboten wurden. Einige Zellen feuerten erst nach einer gewissen Zahl von Ereignissen. Ein Neuron beispielsweise 46 Teil I: Unser numerisches Erbe reagierte immer nach sechs beliebigen Ereignissen, unabhängig davon, ob es sich um sechs Lichtblitze, sechs kurze oder sechs längere Töne handelte.

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